Bild: Knut Bruckbauer im Kreis der Revierhegemeister und Gründungsmitglieder des Jagdaufseherverbandes Rheinland-Pfalz e.V. (v.l. Peter Schäfer, Stefan Seelmann, Knut Bruckbauer, Georg Gotting, Wolfgang Steffen, Peter Seelmann)
„Der Jagdschein war erst der Anfang – jagdliche Weiterbildung als Herzenssache“
Im Gespräch über Aus- und Weiterbildung mit Knut Bruckbauer, Schatzmeister der Kreisgruppe Bad Dürkheim-Neustadt, Jäger, Falkner, Jagdaufseher und seit kurzem erster Revierhegemeister im Vorstand der Kreisgruppe.
Knut, du hast – wie viele von uns – deine jagdliche Laufbahn mit dem Jagdschein begonnen – was kam danach?
Der Jagdschein war für mich das Tor in eine faszinierende Welt, aber eben nur der erste Schritt. Mir war schnell klar: Wenn ich jagdlich verantwortungsvoll handeln will, reicht es nicht, nur zu wissen, wie man Wild erkennt oder sicher schießt. Ich wollte mehr verstehen – das Verhalten des Wildes, die Zusammenhänge im Ökosystem, die rechtlichen Grundlagen. Deshalb folgten bei mir recht bald der Falknerschein, dann die Weiterbildung zum Jagdaufseher beim Landesjagdverband und vor kurzem wurde mir – nach einem umfangreichen Weiterbildungsprogramm über 120 Stunden und einer anspruchsvollen Abschlussarbeit – der Titel Revierhegemeister durch den Bund deutscher Jagdaufseherverbände e.V. und dem Jagdaufseherverband Rheinland Pfalz e.V. verliehen.
Womit beschäftigte sich deine Abschlussarbeit und was waren die Inhalte der 120 Stunden Weiterbildung ?
Eigentlich wollte ich über die Möglichkeiten der Jungwildrettung mit der Drohne schreiben, durch unsere Initiative www.kitzrettung-duew.de wäre das ja naheliegend gewesen. Aber bei einem Treffen mit Michael Back von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt schlug er mir vor, ich solle doch meine Abschlussarbeit über den Luchs im Pfälzerwald schreiben. Bei den intensiven Recherchen über den Luchs und das LIFE Auswilderungsprojekt habe ich selbst eine ganze Menge über diese faszinierende Tierart und über Auswilderungsprojekte gelernt.
Die weiteren Module bei der Weiterbildung zum Revierhegemeister sind Vertiefungen zu den Bereichen Land- und Waldbau, Hege, Arten- und Umweltschutz, Jagdhilfstiere, Brauchtum, Fallenjagd, Wildbrethygiene, Jagdarten, Schiessen (Waffen, Munition, Optik), Jagdliche Einrichtungen und natürlich der Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation.
Du unterrichtest unsere Jagdscheinanwärter im Sachgebiet I (Tierarten, Wildbiologie und Wildhege). Gibt es eine Tierart, die dir besonders am Herzen liegt ?
Obwohl ich als Jugendlicher auf der Deutschen Greifenwarte viele Sommerferien mit Geiern, Adlern und anderen Greifvögeln verbracht habe und ich bei den Anwärtern Federwild unterrichte, liegt mir unsere größte Schalenwildart, das Rotwild, ganz besonders am Herzen. Ich hatte das Glück, in einem meiner betreuten Reviere neben Reh- und Schwarzwild auch Dam-, Muffel und Rotwild zu hegen und zu bejagen. Gerade unser Rotwild ist das Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn Lebensräume „verinseln“ und sich Populationen untereinander nicht mehr austauschen können. Hier wäre es wichtig, große zusammenhängende Biotope zu schaffen, um der genetischen Verarmung vorzubeugen. Das neue Landesjagdgesetz in Rheinland Pfalz hat gerade in Bezug auf Rot-, Dam- und Muffelwild meiner Meinung nach den völlig falschen Weg eingeschlagen.
Was hast du dir als nächstes vorgenommen ?
Aktuell darf ich das Team im Revier in Bobenheim am Berg als bestätigter Jagdaufseher unterstützen und wir können dort, gerade bei Naturschutzmaßnahmen und Lebensraumverbesserungen, vieles umsetzen. Aber wer mich kennt, der weiß, wie sehr mein Herz für das Rotwild schlägt, das leider den Weg nach Bobenheim noch nicht gefunden hat.
Was die Weiterbildung betrifft, wäre der nächste Schritt der akademische Jagdwirt an der Universität für Bodenkultur in Wien oder der Jagdwirt an der Deutschen Jagdakademie.
Ich habe noch zwei Jahre bis zum (Vor-)Ruhestand, wer weiß was mir noch einfällt. Vielleicht tut sich bis dahin doch noch ein eigenes Revier auf, in dem Rotwild zumindest als Wechselwild auftaucht.
Viele machen heute ihren Jagdschein in nur wenigen Wochen. Wird die Weiterbildung danach wichtiger?
Unbedingt. Die kompakte Jagdausbildung ist eine Möglichkeit, die Einstiegshürde zeitlich und logistisch zu senken – das ist legitim. Aber: Jagd ist keine Prüfung, sondern Verantwortung. Und die braucht Erfahrung. Gerade Absolventen kurzer Kurse fehlt oft die Revierpraxis. Deshalb gibt es praxisnahe Nachqualifizierungen, damit aus Jagdscheininhabern verantwortungsvolle Jägerinnen und Jäger werden.
Wo liegen aus deiner Sicht die größten Unterschiede zwischen der klassischen Ausbildung in der Kreisgruppe und den Kompaktkursen privater Jagdschulen?
Die klassische Ausbildung ist langsamer, dafür nachhaltiger. Sie findet meist über viele Monate hinweg statt, oft an Abenden oder Wochenenden – und sie ist in ein jagdliches Umfeld eingebettet: mit Mentoren, Revierpraxis, Schießstandterminen, Nachsuchen oder Aufbrüchen. Die Jagdschüler wachsen in die jagdliche Gemeinschaft hinein und erleben, wie sich die Natur im Laufe der Ausbildung verändert.
In vielen privaten Jagdschulen liegt der Fokus stärker auf der Prüfungsvorbereitung in kurzer Zeit. Das funktioniert, aber es bleibt wenig Raum für echte Reviererfahrung oder jagdethische Diskussionen. Die Absolventen wissen viel – aber sie haben wenig erlebt.
Ist der persönliche Kontakt in der klassischen Ausbildung ein Vorteil?
Absolut. Der regelmäßige Austausch mit erfahrenen Jägerinnen und Jägern, das Mitgehen ins Revier, das Miterleben von Jagdpraxis und Jahresrhythmus – das prägt. Und es gibt Sicherheit. In einer Kreisgruppe entsteht Vertrauen. Man kennt sich, man fragt nach, man wird gefördert. Das ist oft mehr wert als jede Theorieeinheit.
Welche Möglichkeiten zur Weiterbildung bieten sich für junge Jägerinnen und Jägern konkret an?
Der Landesjagdverband Rheinland Pfalz e.V. bietet interessierten Jägerinnen und Jägern eine Vielzahl an Weiterbildungen an. Das geht von B wie Blattjagdseminar mit Ansitz, über F wie Flintenschiessen bis zu Z wie Zerwirkseminare.
Nach drei Jahren Jagdschein besteht die Möglichkeit, sich zum Jagdaufseherkurs anzumelden. Dieser Kurs geht über 8 Tage und schließt mit einer Befähigungsprüfung ab. Wenn ein(e) Teilnehmer(in) sich nicht „fit“ genug fühlt, kann ein 3-Tage Vorbereitungskurs vorgeschaltet werden.
Jagdaufseher(innen) können danach dem Jagdaufseherverband Rheinland Pfalz e.V. beitreten und sich dann dort – durch weiterer zusätzliche Seminare – auf den Weg zum Revierhegemeister bzw. zur Revierhegemeisterin machen.
Dein Rat an den Jungjäger oder die Jungjägerin, die sich weiterbilden wollen?
Bleibt neugierig. Seht die Jagd nicht als Abschluss, sondern als eine lebenslange Lernreise. Sucht Euch Mentoren, stellt Fragen, macht Fehler – aber lernt daraus. Und vor allem: Werdet Teil einer Gemeinschaft, denn Jagd funktioniert nicht allein.
Wie kann man Dich oder die Kreisgruppe kontaktieren, wenn man sich für die Angebote interessiert?
Ganz einfach über unsere Website www.bad-duerkheim.ljv-rlp.de. Dort findet man meine Kontaktdaten, aber auch die Kontaktdaten unserer Obmänner für „Junge Jäger“. Wir freuen uns über jeden neuen Jagdscheininhaber, der mehr will als nur die Prüfung – nämlich jagdliche Verantwortung übernehmen.

